Flaum – VERMITTELT

8 Januar 2014

Flaum – VERMITTELT

Flaum ist der Veteran der Straßenhunde aus unserem Stadtviertel. Alle Menschen zwischen Park und Kirche kennen ihn. Vielen ist es sympathisch und sie füttern ihn oder zeigen ihm ihre Zuneigung. Andere hassen ihn aber, insbesondere weil sein verfilztes Fell so ungepflegt aussieht. Es ist aber dieses Fell, das ihm das Überleben in eiskalten Winternächten ermöglicht hat.

Flaum war nicht immer alleine auf den Straßen der Stadt unterwegs; lange war er der treue Begleiter von Onkel Ion, ein verträumter Obdachloser mit dramatischem Schicksal. Sie haben sich das Essen und den vorläufigen Schlafplatz geteilt. Von ihm hat er diesen Namen bekommen und obwohl sein menschlicher Kamerad einen ausgezeichneten Sinn für Humor hatte, hat er diesen Namen sogar wörtlich gemeint: Für ihn hatte das verfilzte und verdreckte Fell von Flaum die Gemütlichkeit einer flauschigen Daunendecke. Leider ist Onkel Ion vor drei Jahren das Opfer der ersten eisigen Winternacht geworden. Flaum ist alleine geblieben und ist etwa ein Jahr lang wiederholt die Strecke gelaufen, die er vorher mit seinem Freund gelaufen ist. Nun tut er das nicht mehr. Er ist älter geworden und er bewegt sich schwer. Er wartet aber an einer Straßenecke und freut sich über die Streicheleinheiten der Menschen, die er kennt. Und wenn eine Streicheleinheiten bekommt, ist er der glücklichste Hund der Welt.
Es gab vorher schon kritische Momente im Leben von Flaum. Er wurde zweimal von den Hundefängen eingefangen und in das schreckliche Hundegefängnis am Stadtrand gebracht, von wo er jedes Mal freigekauft wurde. Denn die Verfolgung der Hunde ist leider keine neue Erfindung; sie tritt periodisch, wie ein sich wiederholender Albtraum auf. Flaum kennt das Trauma schon und bellt abwehrend, wenn er Fahrzeuge oder Menschen sieht, die ihn an die Hundefänger, die ihn missbraucht haben, erinnern.

Doch diesmal riskiert er sein Todesurteil. Sein langsamer Gang, seine Aversion gegen Menschen, die ihn einfangen möchten, die auch als Aggressivität interpretiert werden kann, machen ihn zum sicheren Opfer. Er wird der erste Hund sein, den die Hundefänger in unserem Stadtviertel einfangen, und wahrscheinlich auch der erste, der getötet wird, denn alte und kranke Hunde führen die Liste der Todgeweihten an.

Die Traurigkeit dieser Zeilen kommt aus der Tatsache, dass ich diesmal keine rettende Lösung für ihn finden kann, so, wie ich es einst seinem menschlichen Freund versprochen hatte. Wenn Sie eine Möglichkeit finden, dieser treuen unschuldigen Seele ein Plätzchen zu finden, wo sie in Ruhe die letzten Jahre verbringen kann, oder wenn Sie eine Idee oder einen Vorschlag haben, wie wir das Leben von Flaum besser machen können, bitte ich Sie, mich unter folgender Telefonnummer zu kontaktieren: 0040 723 211 551.

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